PKW – IFA F 9 (EMW 309)

Der IFA F9 ist ein Pkw-Modell des Industrieverbandes Fahrzeugbau der DDR. Der Wagen mit Dreizylinder-Zweitaktmotor wurde von Oktober 1950 bis Sommer 1953 im VEB Kraftfahrzeugwerk Audi Zwickau (früher Auto Union, Werk Audi) gebaut und lief danach bis 1956 noch unter dem Namen EMW 309 im VEB Automobilwerk Eisenach (AWE) vom Band. Nachfolger war der Wartburg 311.

Geschichte

DKW F9 Prototyp des Jahres 1939 im sächsischen Fahrzeugmuseum Chemnitz

Noch vor dem Zweiten Weltkrieg wurde von der Auto Union der DKW F9 entworfen, dessen Markteinführung für 1940 vorgesehen war. Mit dem Kriegsbeginn wurden die Pläne vorerst zurückgestellt. Der F9 wurde dann 1948 auf der Leipziger Frühjahrsmesse offiziell vorgestellt und als eines der ersten Nachkriegsmodelle in der DDR gebaut.

Ab 1949 wurde im VEB Kraftfahrzeugwerk Audi Zwickau zunächst das Vorkriegsmodell IFA F8 hergestellt (siehe DKW F8), ab Oktober 1950 ging auch der F9 in Zwickau in Produktion. Die Karosserien wurden im Zwickauer Horch-Werk produziert, der Motor kam vom Motorenwerk Chemnitz, montiert wurden die Wagen im ehemaligen Audi-Werk der Auto Union. Die Stückzahlen hielten sich zunächst in Grenzen, insgesamt wurden 1920 F9-Fahrzeuge in Zwickau hergestellt] 1952 kam ein Cabriolet vom VEB Karosseriewerk Dresden (vormals Gläser-Karosserie) hinzu, im selben Jahr wurde die Motorleistung von 28 auf 30 PS erhöht. Es wurden Versuchswagen mit Kunststoffkarosserie hergestellt. Entwicklungsarbeiten in diese Richtung wurden später jedoch nicht mehr weiter verfolgt. Im Sommer 1953 wurde die Produktion in Zwickau zugunsten des neuentwickelten AWZ P70 – einem F8 mit Kunststoffkarosserie in Pontonform – beendet.

In nunmehr deutlich größeren Stückzahlen wurde unter der internen Bezeichnung EMW 309 die Produktion von 1953 bis 1956 im VEB Automobilwerk Eisenach fortgesetzt. Die Limousine hatte fortan eine modernere Windschutzscheibe sowie eine veränderte Heckscheibe: Die Frontscheibe bestand nicht mehr aus zwei planen, winklig zueinander angeordneten Teilen mit Mittelsteg, sondern war nun größer, einteilig und gewölbt. Eine große einteilige Panoramaheckscheibe ersetzte das bisher zweigeteilte kleine Rückfenster. Wegen der deutlich vergrößerten Scheiben wurde damals auch von einer Vollsichtkarosserie bzw. einer Vollsichtlimousine gesprochen. Im Laufe des Jahres 1954 hielt die durchgehende Frontscheibe auch bei allen anderen Karosserievarianten Einzug. Ergänzt wurde das Fertigungsprogramm durch einen Kombiwagen mit wahlweise Stahl-Holz- oder Ganzstahlaufbau, dessen Stückzahl allerdings recht gering blieb. Er hatte verstärkte Federn hinten, dickere Reifen 5,50 statt 5,00, sowie eine andere Übersetzung im Vorderachsantrieb.

1954 wurde der Tank nach hinten verlegt und dabei von 30 auf 40 Liter vergrößert. An dessen bisherigem Platz wurde eine wirksamere Heizung installiert. Veränderte Zylinderköpfe verringerten vor allem die Ansprüche des Motors an die Klopffestigkeit des Zweitaktgemisches und eine veränderte Auspuffanlage dämpfte die Geräusche in der Fahrgastzelle etwas besser. Außerdem wurden Getriebe- und Antriebsübersetzung verändert. 1955 wurde dann die Krückstockschaltung durch eine Lenkradschaltung ersetzt. Die störanfällige Zentralschmierpumpe wurde 1955 von Pressstoff auf Zinkspritzguss umgestellt. 1956 wurde der Unterbrecher verändert, um Zündstörungen zu beseitigen. Ausstattung und Zubehör des F9 hatten bis zum Produktionsende eine Reihe kleinerer Schwächen. Die Produktion endete 1956, Nachfolger wurden der in Eisenach aus dem F9 weiterentwickelte Wartburg 311. Insgesamt wurden bis Mai 1956 etwa 30.000 Fahrzeuge gebaut.

Modellvarianten

Fahrgestell

  • IFA F9 Fahrgestell

Fahrgestell des IFA F9

AWZ (1950-53)

  • IFA F9 Cabriolet

IFA F9 Cabriolet des Jahres 1953. Noch mit zweiteiliger Frontscheibe.

  • IFA F9 Roadster
IFA F9 Roadster Messemodell von 1950 im sächsischen Fahrzeugmuseum Chemnitz

Nachbau des F9 Roadster aus einer Limousine (beim Oldtimertreffen in Hartmannsdorf/Sa.)

  • IFA F9 Rennwagen

IFA F9 Rennwagen (1950)

AWE (1953-1956)

  • IFA F9 Limousine (AWE 309/1)

IFA F9 Limousine (309/1) des Baujahres 1954

  • IFA F9 Cabriolet (AWE 309/2)

1956er IFA F9 Cabrio (309/2)

  • IFA F9 Cabrio-Limousine (AWE 309/3)
  • IFA F9 Kübelwagen (AWE 309/4) – Polizei-Einsatzfahrzeug, Fertigung im VEB Karosseriewerk Dresden (KWD)

IFA F9 Kübelwagen im Allrad-Museum Reichwalde.

  • IFA F9 Schnelltransporter (AWE 309/5)
  • IFA F9 Kombi (AWE 309/7) – »Woodie«
  • IFA F9 Kombi (AWE 309/9)

1954er IFA F9 Kombi mit der werksinternen Bezeichnung 309/9.

In der DDR wurden etwa zehn unterschiedliche Roadster und „Sportvarianten“ als Einzelstücke hergestellt und auf der Leipziger Messe präsentiert. Die Cabriolet-Karosserie kam von Gläser-Karosserie in Dresden. Auch eine Kombiversion war erhältlich.

Unter der Modellbezeichnung IFA F9 309/4 wurde in geringer Stückzahl eine offene Karosserievariante als Einsatzfahrzeug für die Nationale Volksarmee hergestellt. Drei erhaltene Exemplare des viersitzigen Kübelwagens sind bekannt.

 

Technische Daten IFA-F9

Technische Daten IFA F9
1950–1953 1954–1956
Motor: 3-Zylinder-Reihenmotor (Zweitakt)
Hubraum: 900 cm³
Bohrung x Hub: 70 x 78 mm
Leistung bei 1/min: 21 kW (28 PS)
bei 3.600
22 kW (30 PS)
bei 3.800
Max. Drehmoment bei 1/min: 73,5 Nm bei 2.500
Verdichtung: 1:6,25 1:6,9
Gemischaufbereitung: 1 Flachstromvergaser BVF H32/0
Ventilsteuerung: Kolbensteuerung
Kühlung: Wasser (10 Liter)
Getriebe: 4 Gang
Radaufhängung vorn: Dreieckquerlenker unten, Querblattfeder oben
hydraulische Kolben-Stoßdämpfer
Radaufhängung hinten: Starre Rohrachse, Querblattfeder oben
hydraulische Kolben-Stoßdämpfer
Bremsen: Trommeln vorn und hinten
Lenkung: Zahnstangenlenkung
Karosserie: Ganzstahl, Kastenprofilrahmen
Spurweite vorn/hinten: 1.184/1.260 mm
Radstand: 2.350 mm
Abmessungen: Limousine: 4.200 x 1.600 x 1.450 mm
Kombi: 4.200 x 1.650 x 1.570 mm
Cabriolet: 4.200 x 1.600 x 1.500 mm
Leergewicht: 900–960 kg
Höchstgeschwindigkeit: Limousine u. Cabriolet: 110 km/h, Kombi: 90 km/h
0–100 km/h: Limousine u. Cabriolet: 39 s, Kombi: 52 s
Verbrauch (Liter/100 Kilometer: Limousine u. Cabriolet: 10 l, Kombi: 11 l
Preis : Limousine: 13.200, Kombi: 12.650, Cabriolet: 14.000
Cabrio-Limousine: 15.000 Mark (DDR)

Weiterführende Hinweise

 

Ähnliche Einträge

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen