PKW – Horch P 240 »Sachsenring«

Sachsenring P240

Der Horch P 240 „Sachsenring“ war ein repräsentatives Oberklassefahrzeug, das von 1956 bis 1959 im ehemaligen VEB Horch-Werk in Zwickau entwickelt und hergestellt wurde. Das Fahrzeug wurde zunächst als Horch P 240 vorgestellt, trug dann die Bezeichnung Horch P 240 „Sachsenring“ und wurde ab Frühjahr 1957 unter der Bezeichnung Sachsenring P 240 produziert.

Geschichte

Am 13. September 1953 erhielt die Horch-Entwicklungsabteilung vom DDR-Ministerium für Maschinenbau den Entwicklungsauftrag für einen neuen Mittelklasse-PKW. Dabei nutzte man die bereits vorliegenden Ergebnisse aus dem militärischen Entwicklungsthema Kübel P2M und Kommandeurswagen P2L, womit das FEW Chemnitz für die Kasernierte Volkspolizei der DDR beauftragt worden war. Ingenieure im ehemaligen Auto Union-Werk Siegmar (früher Wanderer) hatten dafür bereits den Sechszylinder-Viertakt-Ottomotor OM6 entwickelt. Als Neu- und Eigenentwicklung brachten dann 1955 die VEB Horch Kraftfahrzeug- und Motorenwerke Zwickau als Oberklassefahrzeug den Horch P240 mit Sechszylindermotor heraus. Der PKW erhielt 1956 zusätzlich die Modellbezeichnung Sachsenring – den Namen der nahe gelegenen gleichnamigen Rennstrecke. 1956 wurde das Fahrzeug entsprechend als Horch auf der Leipziger Frühjahrsmesse vorgestellt.[1] 1957 wurde wegen des Markenrechtstreits der Modellname auch auf die Horchwerke übertragen, die von nun an zunächst als VEB Sachsenring Kraftfahrzeug- und Motorenwerke Zwickau firmierten.

Horch P 240 »Sachsenring«

Technisch wie optisch entsprach der Personenkraftwagen dem Zeitgeschmack, doch ließen die Verhältnisse in der DDR die Aufnahme einer größeren Serienproduktion nicht zu. Ursprünglich war eine jährliche Produktion für 1956 von 6000 und für 1957 von 9000 PKW geplant. Für Werkzeuge und Vorrichtungen wurden zwölf Millionen DDR-Mark investiert. Die Gesamtproduktion von 1956 bis 1959 betrug aber nur 1382 Fahrzeuge, wovon einige Fahrzeuge auch exportiert wurden.

Sachsenring P240 Parade-Cabriolet

Neben der Limousine wurden auch einige viertürige Cabriolets für Repräsentationszwecke und ab 1957 im VEB Karosseriewerk Halle auch Kombimodelle[4] hergestellt.

Diese Kombifahrzeuge in den Sonderfarben Blau-Weiß waren ausschließlich für den Deutschen Fernsehfunk der DDR bestimmt.[1][5] Der P240 kam bei Behörden und vereinzelt bei hohen Parteifunktionären zum Einsatz. Der Fahrzeugpreis betrug damals etwa 27.000 DDR-Mark.

Heckansicht des Sachsenring P 240 Kombi.

Es kam zu einer Exportsperre und die zur Erweiterung der Produktionskapazität erforderlichen Investitionen wurden zurückgefahren. Schließlich sah sich die DDR-Führung zur Produktionseinstellung des P240 veranlasst, um dafür den Import des sowjetischen GAZ M-21 Wolga und – für die Regierung der DDR – Fahrzeuge vom Typ Tschaika GAZ-13 zu forcieren. 1959 wurde die Produktion ganz eingestellt. Der Motor des P240 wurde im Geländewagen IFA P3 (bzw. Sachsenring P3) und später in überarbeiteter Form auch im Paradefahrzeug Sachsenring P240 Repräsentant der Nationalen Volksarmee der DDR verbaut. Heute existieren nur noch wenige gut erhaltene Exemplare.

Entwicklungsstufen

Die erste Entwicklungsstufe des Horch P240 trug über dem senkrecht orientierten Kühlergrill die alten Markenzeichen; das gekrönte H (Horch) und die geflügelte Weltkugel. Die seitlichen waagrecht verlaufenden Zierleisten waren wie der Kühlergrill verchromt. Die vorderen Blinker waren rund.

P 240 Limousine mit Horch-Emblem und seitlichem Sachsenring-Schriftzug.

Ab der zweiten Entwicklungsstufe 1955/1956 wurden vordere und hintere Seitenteile verlängert. Der Wagen erhielt hinten flossenartige Kombi-Leuchten, vorn breite, herumgezogene Blinkleuchten und einen Kühlergrill mit waagerechter Linienführung. Neben den Horch-Markenzeichen wurde die Modellbezeichnung „Sachsenring“ eingeführt, die als seitlicher Chrom-Schriftzug hinzugefügt wurde.

Die dritte Entwicklungsstufe 1957/1958 weist äußerlich zum Vorgänger nur geringe Unterschiede auf. Ein besonderes Merkmal sind geschwungene statt gerade Seitenzierleisten. Da ab Februar 1957 den Horchwerken durch die westdeutsche Auto-Union GmbH das Führen der Horch-Markensymbole gerichtlich untersagt wurde, wurde nun als Emblem ein S-Symbol im Kreis (S für Sachsenring) auf der Haube über dem Kühlergrill verwendet. Erst ab diesem Zeitpunkt trug der PKW die Modellbezeichnung Sachsenring P240.

Der im Ambiente eines Leipziger Herbstmessestandes im August-Horch-Museum Zwickau ausgestellte P240 ist eine Kombination aus zweiter und dritter Entwicklungsstufe.

Sachsenring Repräsentant

Ein Sachsenring Repräsentant im August-Horch-Museum Zwickau. (Foto: Ralf Christian Kunkel)
Heckansicht des Sachenring Repräsentant. (Foto: Ralf Christian Kunkel)
Innenraum des Sachsenring Repräsentant mit Mikrofonanlage und Haltegriffen. (Foto: Ralf Christian Kunkel)

Anlässlich des Staatsfeier „20 Jahre DDR“ am 7. Oktober 1969 wurden fünf viertürige Cabriolets unter dem Namen Sachsenring P 240 Repräsentant für die NVA gebaut, die diese in Auftrag gegeben hatte. Dieses Fahrzeug erhielt eine neu gestaltete zeitgemäße Karosserie. Das Fahrgestell war im Wesentlichen mit dem des P240 identisch. Der Motor war geringfügig weiterentwickelt und modifiziert worden. Die Karosserie wurde im VEB Karosseriewerk Dresden gefertigt. Vier der Fahrzeuge kamen bei den Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag der DDR im Rahmen einer Militärparade zum Einsatz, eines diente als Ersatzfahrzeug. Später waren bei Militärparaden in der Regel immer nur zwei der Fahrzeuge zu sehen.


Technische Daten

  • Sechszylinder-Reihen-Viertakt-Ottomotor, Typ OM6-42,5
  • Hubraum: 2407 cm³
  • Bohrung × Hub: 78 × 84 mm
  • Verdichtungsverhältnis: 7,1:1
  • Leistung: 59 kW (80 PS) bei 4000/min
  • Drehmoment: 167 N m (17 mkg) bei 1500/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 140 km/h
  • Verbrauch: 11–13 l/100 km
  • ein Flachstromvergaser
  • Ganzstahlkarosserie auf Kastenprofilrahmen
  • Antrieb: synchronisiertes Vierganggetriebe, auf Hinterräder wirkend
  • Drehstabfederung vorn und hinten
  • Abmessungen (L×B×H): 4735 mm × 1780 mm × 1600 mm
  • Gewicht: 1480 kg

Karosserie

  • Fahrgestell: Leiterrahmen (nicht selbsttragende Karosserie)
  • Viertürer
  • Stahlblech

Weiterführende Hinweise

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